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Fünf Dörfer in einer Gemeinde

Visitation des Ev. Kirchenkreises Siegen in der Kirchengemeinde Burbach

Mit einem Gottesdienst und einem Abschlussgespräch ging am vergangenen Sonntag (13.10.2013) die Visitation des Ev. Kirchenkreises Siegen in der Ev.-Ref. Kirchengemeinde Burbach zu Ende.

Wie sieht das Alltagsleben in der Kirchengemeinde Burbach aus? Welche Herausforderungen gilt es aufzugreifen und wie kann sich die Kirchengemeinde auf die demografische Entwicklung einstellen? Hierzu haben die Visitatoren des Kirchenkreises Siegen alle Gruppen und Kreise, Einrichtungen und wöchentliche Veranstaltungen besucht, die mit der Kirchengemeinde zu tun haben. Darunter auch CVJM-Gruppen und Gemeinschaften. Etwa 40 Besuchstermine standen über die Woche an, in denen sich die Visitatoren einen Ein- und Überblick über das Leben in der evangelischen Kirchengemeinde machten. Über jeden Besuch wurde ein Bericht verfasst, der in einen Abschlussbericht fließt und dem Presbyterium in den nächsten Wochen zugeht.

Die Visitation bietet die Chance zu erfahren, wie die Gemeindearbeit von außen wahrgenommen wird. Ziel der Visitation ist, die Mitarbeitenden in ihrem Dienst zu stärken und zu ermutigen, den Gemeindeaufbau zu fördern, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken und die Verbindung zwischen Kirchengemeinde und Kirchenkreis zu festigen.

Im Abschlussgottesdienst und auch im gemeinsamen Abschlussgespräch mit Visitatoren und Presbyteriumsmitgliedern im Anschluss an den Gottesdienst drückte Superintendent Peter-Thomas Stuberg die Entwicklungsrichtung so aus: „Bei weniger werdenden Einnahmen wir die Gemeinde sich auf den Weg der Konzentration machen müssen. Nicht einfach das ,Weniger‘ steht hierbei im Vordergrund, sondern das ,Besser‘ als jetzt schon. Nicht mehr das Modell „eine Gemeinde in fünf Dörfer“, sondern „Fünf Dörfer in einer Gemeinde“ wird dabei das Leitbild sein.“ Dies bedeutet eine Stärkung der Zusammengehörigkeit über die Dorfgrenzen hinweg. Das Presbyterium in Burbach ist in diese Richtung unterwegs. In anderen ländlichen  Regionen des Siegerlandes kann diese Vorgehensweise ebenfalls wegweisend sein.

Ein Lob des Superintendenten galt den über 250 Ehrenamtlichen in der Kirchengemeinde. Ohne diese gäbe es manche Gruppen und Kreise in den fünf Ortschaften nicht. Stuberg: „Wir haben erlebt, dass die Gemeinde eine auffallend große Zahl von ehrenamtlich Mitarbeitenden hat, die in allen Zentren der Gemeindearbeit sehr verlässlich und fleißig ihren Dienst in der Gemeinde tun. Die Menschen jeden Alters wissen sich berufen aus dem Glauben an Jesus Christus und sehen sich gesandt an ihren Ort in der Gemeinde zu den Menschen, für die sie da sein wollen.“

Die rd. 5.300 evangelischen Christen in den fünf Ortschaften Burbach, Wahlbach, Gilsbach, Würgendorf und Lippe bilden die Kirchengemeinde Burbach. Jeder Ort hat eine Predigtstätte, in der Gottesdienste gefeiert werden. Zu den Predigtstätten zählen nicht nur die beiden Kirchen, sondern auch zwei Dorfgemeinschaftshäuser und ein Vereinshaus. Die vier Kindertageseinrichtungen befinden sich in Trägerschaft des Kirchenkreises, werden aber religionspädagogisch von den Ortspfarrern betreut. Die Jugendarbeit der Kirchengemeinde wird von den CVJM in den einzelnen Ortschaften geleistet. Hinzu kommen Ev. Gemeinschaften, die mit der Kirchengemeinde unterschiedlich eng verbunden sind.

Zwei volle Gemeindepfarrstellen stehen der Kirchengemeinde noch zur Verfügung, zurzeit mit zwei Pfarrern und einer Pfarrerin besetzt. Sie schultern gemeinsam mit einer Gemeindereferentin hauptamtlich die Gemeindearbeit, unterstützt von einem weiteren Pfarrer, der sich auf die Altenheimseelsorge und die Trauerarbeit konzentriert. Hinzu kommen Küster und Gemeindesekretärin. Es ist absehbar, dass diese Hauptamtlichkeit in Zukunft nicht mehr finanziert werden kann und damit die Arbeit in diesem Umfang nicht mehr zu leisten ist. Es ziehen mehr Evangelische aus Burbach weg als zu. Das lässt neben der demografischen Entwicklung die Zahl der Gemeindeglieder schrumpfen.

Die Kirchengemeinde bezieht sich nicht nur auf ihre ureigensten Aufgaben, sondern bringt sich in das Ortsgeschehen ein. Dies machte ein ausgiebiges Gespräch mit Bürgermeister Christoph Ewers deutlich. Kurze persönliche Informationswege erleichtern eine schnelle Kooperation beispielsweise, wenn es um Kindertagesstätten, Flüchtlingsfragen oder die Dorfentwicklung geht. Und auch der Kontakt zu den Vereinen im Ort ist vorbildlich. Stuberg: „Hier ist die Kirche wirklich Kirche in den Dörfern.“

Sich verändernde gesellschaftliche Strukturen treffen auch die Gemeindearbeit der Kirchen in ländlichen Regionen. So halten sich Kinder und Jugendliche tagsüber länger in den Schulen auf. Schulen werden für die Jugendlichen zum Lebensmittelpunkt. Das hat Auswirkungen auf Kinder- Jugend- und Konfirmandenarbeit. Und die Kirche hat zunehmend mit Menschen zu tun, die weniger Voraussetzungen in Sachen Glauben und Kirche mitbringen. Das wird als eine Herausforderung gesehen für Gottesdienst und Kasualien wie Taufe oder Trauungen, aber auch für die übrigen Angebote der Gemeinde. Stuberg: „Diese Entwicklung gemahnt zur Niederschwelligkeit, die sich gleichzeitig der eigenen Identität bewusst bleibt.“

Ein hohes Ziel hat sich die Kirchengemeinde hinsichtlich ihrer Finanzentwicklung vorgenommen. Bis zum Jahre 2015 möchte sie schuldenfrei sein. Die Entschuldungskampagne ProKirche soll die Schulden abbauen, die noch aus der zu Beginn des Jahrtausends stattgefundenen Kirchenrenovierung übrig sind, weil sie den Haushalt dauerhaft belasten.

kp

 

Visitatoren des Kirchenkreises Siegen und Presbyteriumsmitglieder der Kirchengemeinde Burbach auf den Stufen zum alten Konfirmandenhaus in der Burbacher Ortsmitte. (Foto: Karlfried Petri)

Visitatoren des Kirchenkreises Siegen und Presbyteriumsmitglieder der Kirchengemeinde Burbach auf den Stufen zum alten Konfirmandenhaus in der Burbacher Ortsmitte. (Foto: Karlfried Petri)